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Presseinformation 03.12.09

Förderpreis Wissenschaft mit oberbayerischem Thema verliehen

 

Thema: Moorrenaturierung in Oberbayern


München, 3.12.09. Am 3. Dezember wurden zum achten Mal die Förderpreise Wissenschaft der Gregor Louisoder Umweltstiftung für  Nachwuchswissenschaftler in umweltrelevanten Studiengängen verliehen. 2500 Euro Preisgeld und eine zusätzliche Förderung erhielt der Verfasser der ausgezeichneten Abschlussarbeit:

Christian Klingenfuß: Anwendbarkeit des Entscheidungsunterstützungssystems DSS-WAMOS am Beispiel von Waldmooren in der oberbayerischen Jungmoränenlandschaft
Masterarbeit im Studiengang Pflanzenbauwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin 2008

Weitere  Informationen finden Sie im Anhang (Laudatio) und auf unserer Homepage (Kurzfassung, Presseinfo, Informationen zu den bisherigen Preisträgern  und zur Gregor Louisoder Umweltstiftung)

Mit den „Förderpreisen Wissenschaft“ will die Stiftung Nachwuchswissenschaftler ermutigen, gerade auch Themen und Problemfelder zu bearbeiten, die nicht automatisch eine Industriekarriere oder Begeisterung bei potentiellen Arbeitgebern in der Verwaltung versprechen. „Gerade der Natur- und Umweltschutz braucht in Zukunft mehr denn je qualifizierte und engagierte Wissenschaftler, die nicht nur auf eine möglichst schnelle Karriere in der Industrie starren, sondern sich für eine nachhaltige und ökologische Entwicklung engagieren. Der Grundstein dafür wird spätestens bei der Wahl der Abschlussarbeit gelegt“, so Claus Obermeier, Vorstand der Stiftung bei der Vorstellung des Preisträgers im Münchner Ratskeller.

Im einzelnen werden die Förderpreise für Abschlussarbeiten in den Studienschwerpunkten Biologie / Geo- und Umweltwissenschaften, Forst- und Agrarwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften vergeben. Die Jury bestand aus Dr. Manuel Schneider (Projektbüro make sense), Dipl. Geogr. Claus Obermeier und Dipl. Kaufmann Bernd Louisoder.


Christian Klingenfuß

Anwendbarkeit des Entscheidungsunterstützungssystems DSS-WAMOS am Beispiel von Waldmooren in der oberbayerischen Jungmoränenlandschaft


Masterarbeit im Studiengang Pflanzenbauwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin 2008

Moore sind besonders gefährdete Lebensräume. Sie werden oftmals übernutzt und trockengelegt – mit der Folge, dass die typische Moorflora und -fauna verdrängt wird. Insbesondere im Zuge der aktuellen Klimadebatte wird die große Bedeutung der Moore als CO2-Senke auch in einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen. Moore sind wie kaum ein anderer Naturraum in der Lage, das klimaschädigende Kohlendioxid dauerhaft zu binden. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Wiedervernässung trockengelegter Moore eine besondere Relevanz und Dringlichkeit: Moorschutz ist Klimaschutz.


Waldmoore – ein vernachlässigter Moortyp

Einen besonderen Moortyp bilden die Waldmoore, die meist weniger degradiert sind als die landwirtschaftlich genutzten Moore und entsprechend größere Renaturierungsmöglichkeiten bieten. Waldmoore unterliegen in der Regel auch geringeren wirtschaftlichen Interessen, so dass bei einer Renaturierung wesentlich weniger Nutzerinteressen zu erwarten sind als dies bei landwirtschaftlich genutzten Moorflächen der Fall ist.

Den zumeist kleineren Waldmooren, die in ihrer Summe jedoch große Flächen bedecken, wurde bisher wenig Beachtung geschenkt. Fast alle Waldmoore Deutschlands sind durch direkte und indirekte Entwässerung und Eutrophierung akut gefährdet. Die wenigen bisher durchgeführten Restaurierungsversuche laufen vielerorts nach einem „Zufallsprinzip“. Übertragbarkeit und Umweltentlastungen entsprechen dann oft nicht den Erwartungen. Auswahlkriterien, Leitbilder sowie Indikatoren zur Entscheidungsfindung und Erfolgskontrolle bleiben vielerorts unberücksichtigt bzw. sind wenig transparent und nachvollziehbar. Hier setzt das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Projekt der Humboldt-Universität zu Berlin und der Fachhochschule Eberswalde ein, in dessen Rahmen die Masterarbeit von Christian Klingenfuß entstand.


Ein neues Instrument für den Moorschutz ...

Da es in Deutschland eine große Zahl renaturierungsbedürftiger Waldmoore gibt, wurde im Rahmen des Forschungsprojektes ein computergestütztes, anwenderfreundliches Entscheidungsunterstützungssystem (DSS = Decision Support System) für das Management von Waldmooren entwickelt („DSS-WAMOS“). Mit Hilfe dieses Systems lassen sich individuell angepasste, konkrete Handlungsempfehlungen für die Renaturierung und Pflege eines Waldmoores ableiten. Das zunächst für Nordostdeutschland und hier insbesondere für das Land Brandenburg erarbeitete System ist geeignet, entsprechende Renaturierungen von Mooren zu unterstützen. Es vereinfacht und strukturiert, aber automatisiert nicht die Entscheidungsprozesse; so lässt es hinreichend Spielraum für Erfahrungen und das Urteilsvermögen der Planer. Es hat den Vorteil, dass es vorhandenes Wissen zur Waldmoorrenaturierung in eine für den Praktiker verfügbaren Form aufbereitet und zur Verfügung stellt.

Da in diesem Entscheidungssystem zahlreiche naturräumliche und ökologische Faktoren einbezogen werden, die von Region zu Region unterschiedlich zu bewerten sind, galt es, das System an andere Standorte anzupassen. Ziel der Arbeit war es, dies für die naturräumlichen Verhältnisse in Bayern zu leisten. Bayern ist insofern ein wichtiger Untersuchungsraum, als es neben Brandenburg zu den besonders moorreichen Bundesländern zählt.


... und seine Anwendung in Bayern

Die Studie von Christian Klingenfuß erprobt das DSS-WAMOS an zwölf Waldmooren in der oberbayerischen Jungmoränenlandschaft und entwickelt entsprechende Anpassungsvorschläge. Der Anwendungsbereich des DSS-WAMOS bezieht sich allein auf Niedermoore. Hochmoore, die keinen Kontakt zum Mineralbodenwasser haben, bleiben unberücksichtigt; ebenso ehemalige Torfabbauflächen.

Ein Ergebnis der Untersuchung ist, dass – im Unterschied zu Brandenburg – bei Moorrenaturierungen in Bayern vor allem wasserbauliche Maßnahmen erforderlich sind. Ein Grund hierfür ist das andere Klima: Während in Brandenburg vor allem durch waldbauliche Maßnahmen das sommerliche Wasserdefizit verringert werden muss, ist dies in Oberbayern angesichts hinreichender Niederschläge im Sommer nicht erforderlich. In Sonderfällen ist jedoch auch ein Waldumbau im Bezug auf Wiedervernässungsstrategien erforderlich, insbesondere dann, wenn Fichtenbestände dominieren.

Grundsätzlich erwies sich das DSS-WAMOS Entscheidungssystem als geeignet, auch in Bayern Moorrenaturierungen zu unterstützen, wenn zuvor bestimmte Parameter, die der Autor im Einzelnen herausarbeitet, den ökologischen Besonderheiten bayerischer Niedermoore angepasst werden. Eine Besonderheit ist z.B. der Umstand, dass in Bayern an zahlreichen Standorten Niedermoor und Regenmoor verzahnt sind, so dass zunächst geklärt werden muss, welcher Typus dominiert, da das DSS-WAMOS nur für die Erfassung von Niedermooren konzipiert ist. Ein weiterer Anpassungspunkt waren die stark variierenden hydrologischen Verhältnisse in Brandenburg und Bayern sowie die Rolle der in Bayern dominanten Fichte, die je nach Höhenlage des Moores hinsichtlich ihrer Standortangepasstheit unterschiedlich bewertet werden muss.


Hoher praktischer Nutzen

Die Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zum Moorschutz in Deutschland. Waldmoore sind ein bislang noch recht wenig bearbeiteter Moortyp, der sich jedoch für die Renaturierung/Wieder-vernässung besonders eignet. Waldmoorreiche Ländern wie Bayern spielen daher eine besondere Rolle für den Moorschutz in Deutschland Das vom Verfasser weiterentwickelte und auf die naturräumlichen Besonderheiten in Bayern angepasste Entscheidungsfindungssystem ist dabei – wie erste Anwendungen bereits zeigen – ein viel versprechendes Instrument für effektive Renaturierungsmaßnahmen in Waldmooren. Neben der wissenschaftlichen Qualität, dem umsichtigen und detailgenauen empirischen Auswertung der zwölf untersuchten Moorstandorte und der klug abwägenden Diskussion der Ergebnisse besticht die Masterarbeit vor allem durch ihren hohen praktischen Nutzen für den Moornaturschutz.


Ihr Ansprechpartner für Rückfragen:
Claus Obermeier, Vorstandsvorsitzender
Email: info@umweltstiftung.com
Tel. 089/54212142.

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